Interview zu exklusiver Stellenmarkt-Analyse – „Recruiting für Personaler:innen läuft auf Hochtouren“

Der zunehmende Fachkräftemangel erhöht die Anforderungen an das Recruiting massiv. HR-Mitarbeiter:innen sind deshalb so gefragt wie seit Jahren nicht mehr. Bernd Gey, Leitender Redakteur von PERSONALintern, hat mit Jürgen Grenz, CEO der index-Gruppe (Berlin), über die geschalteten Stellen für Personaler:innen im ersten Halbjahr 2022 gesprochen. Seine Personalmarktforschung index Research analysiert kontinuierlich die Entwicklung am Stellenmarkt in index Anzeigendaten, der größten Stellenanzeigen-Datenbank Europas.

Der Ukraine-Konflikt hat der deutschen Volkswirtschaft einen Dämpfer verpasst. Suchen Arbeitgeber deshalb weniger Personaler:innen?
Ganz und gar nicht. In Zeiten des Fachkräftemangels benötigen Unternehmen eine gut aufgestellte Personalabteilung. Das Recruiting für Personaler:innen läuft deshalb auf Hochtouren. Von Januar bis Juni schrieben fast 34.000 Unternehmen und öffentliche Einrichtungen deutschlandweit nahezu 137.000 Stellen für HR-Mitarbeiter:innen aus. Die Ausgaben zur kostenpflichtigen Schaltung von Stellenanzeigen in Printmedien und auf Online-Jobbörsen beliefen sich laut Brottopreislisten der Mediadaten auf über 81 Millionen Euro.

Wie hoch war das Stellenangebot für HR-Verantwortliche in den Vorjahren?
In den letzten zwei Jahren hielten sich Arbeitgeber mit Neueinstellungen sehr zurück. Das trifft auch auf Personaler:innen zu. Von Januar bis Juni 2021 wurden weniger als 87.000 und im gleichen Zeitraum 2020 nur rund 65.000 Jobs für HR-Experten:innen ausgeschrieben. Im Vergleich zu den beiden Corona-Jahren stieg das Jobangebot im ersten Halbjahr 2022 um 58 bzw. 111 Prozent. Selbst von Januar bis Juni 2019, dem Jahr vor Corona, lag das Jobangebot für Personalverantwortliche bei 91.000 Stellen und damit 50 Prozent niedriger als im ersten Halbjahr 2022.

Wo ist der Bedarf an Personaler:innen momentan am größten?
Die Personaldienstleistungsbranche suchte im ersten Halbjahr dieses Jahres mit großem Abstand die meisten Personaler:innen. Insgesamt schrieben sie für Kundenunternehmen und für die eigene Firma fast 75.000 HR-Stellen aus. Es gibt im Wesentlichen zwei Gründe für das hohe Jobangebot: Zum ist Personalarbeit das tägliche Brot von Personaldienstleistern. Und zum anderen setzen Unternehmen angesichts des branchenübergreifenden Fachkräftemangels verstärkt auf ihre Unterstützung bei der Personalgewinnung.


Welche Profile werden im HR-Wesen branchenübergreifend am meisten gesucht?
Erfolgreiche Personalgewinnung und Personalentwicklung basiert auf einer umfassenden HR-Expertise. Deshalb richteten sich von Januar bis Juni dieses Jahres mit über 75.000 Stellen auch die allermeisten ausgeschriebenen Positionen im Personalwesen an HR-Experten:innen mit abgeschlossener Ausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung. Ebenfalls stark nachgefragt sind Fachkräfte mit Studienabschluss, für sie wurden rund 33.000 Stellen geschaltet.

Und wo in Deutschlang gab es für HR-Experten:innen die besten Jobaussichten?
Auf die meisten freien Jobs konnten sie sich im ersten Halbjahr in Nordrhein-Westfalen bewerben. Die Arbeitgeber des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslands schrieben fast 33.000 Jobangebote aus. An zweiter und dritter Stelle steht der wirtschaftlich starke Süden, in Bayern wurden über 27.000 Positionen und in Baden-Württemberg mehr als 24.000 Positionen geschaltet. Im Städtevergleich waren Berlin mit über 14.000 Stellen, München mit mehr als 10.000 Stellen und Hamburg mit über 9.000 inserierten Stellen die attraktivsten Arbeitsorte für Personaler:innen.

Jürgen Grenz ist CEO der index Gruppe, die 1994 gegründet wurde und heute rund 180 Mitarbeiter beschäftigt. Mit index Anzeigendaten ist seine Unternehmensgruppe europäischer Marktführer in der Stellenmarktauswertung. Index berät als Spezialist für HR-Marketing, Personalmarktforschung, Karriereportale und Outplacement Unternehmen, Personaldienstleister, öffentliche Einrichtungen und Verbände zu Personalthemen. Ende 2021 erweiterte Jürgen Grenz das Portfolio von index um die Weiterbildungsplattform Seminus.