Impulse für die Personalarbeit 2021 – V4HR Teil 1 – Loslassen und Starten

Nichts Neues

Die vierte industrielle Revolution ist in vollem Gange und es mag wohl keine Zweifel an der Heftigkeit der aktuellen und noch vor uns liegenden Veränderung in allen Lebensbereichen geben. Die aktuelle und noch mit ihren Auswirkungen weitreichende Pandemie verschärft, beschleunigt und präzisiert den Prozess schonungslos. Dies betrifft in Deutschland leider auch die Defizite an Innovation und umsichtigem Strukturwandel, die ohnehin bestanden und bestehen. Mit den beiden Beiträgen in Personal Intern geben wir gedankliche Anregungen zur Debatte, in diesen Zeiten besonders für Management und Personalarbeit.

Disziplinlosigkeit

Werden wir Disziplinen los! Wenn wir nur in Disziplinen denken und handeln, werden wir die Veränderung nicht erfolgreich meistern. Wir brauchen einen Dialog, eine gemeinsame Arbeit aller Wirkkräfte – Unternehmen, Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretungen, Wissenschaft, Verbände, Politik – jeweils miteinander und in sich untereinander. Im Zeichen des Megatrends „Urbanisierung und Klimawandel” ist die Gestaltung z. B. von Mobilität Aufgabe aller Verantwor- tungsträger*innen. Es helfen weder Autogipfel, noch selektive Verbots- oder Erlaubnisdebatten, spezifische Anreizprogramme oder Einschränkungen von Perspektiven: Technik oder Klima oder Arbeitsplätze. Und in den Unternehmen müssen die immer noch vorhandenen Silos verlassen werden. Auch hier ist gemeinsame Verantwortung aller Disziplinen, d.h. aller Köpfe verlangt.

Hemmungslosigkeit

Wir sind verunsichert. Zuweilen haben wir den Eindruck, dass im Zuge des Zeitgeists der Fokus vom Inhalt auf eine unterstellte Intention wechselt. Ideen brauchen ihren Diskussionsraum. Zwei Beispiele: In Fragen der Grundwerte in der Pandemie muss diskutabel sein, ob eine zeitlich befristete, harte Einschrän- kung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmtheit und der Bewegungs- und Versammlungsfreiheit das unternehmerische Handeln stabiler machen und insgesamt schneller die Plattform für alle Freiheitsrechte gesichert werden. Brauchen wir in Anbetracht der disruptiven Entwicklungen ein wie auch immer ausgestaltetes Grundeinkommen? Was wären stattdessen unsere alternativen Antworten? Nutzen wir unsere Stärke der freien Debatte und folgen dem besseren Argument! In Unternehmen werden gute Ideen aus unterschiedlichen Gründen nicht ausreichend eingebracht. Da hilft kein betriebliches Vorschlagswesen oder Ideenmanagement. Hier sind Neugierde und Offenheit des Managements gefragt.

Viel Altes

Mit dem Fokus auf unternehmerische Herausforderungen plädieren wir dafür, die Diskussion von der Methodik (Agilität) auf das Ziel (agile Prinzipien, Purpose) zu richten und damit auf die professionelle Wahrnehmung von Management- aufgaben oder auf den Kodex des „ehrbaren Kaufmanns”. Gerade in Zeiten starker Veränderungen braucht es richtige Entscheidungen, taktisch, operativ und strategisch: die Kernaufgabe von Manager*innen. Und es braucht Stabilität in den Haltungen: Verantwortung, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit. Management wird nicht weniger wichtig, sondern wichtiger. Aber anders.

Und doch Neues

New Work, Führen Remote: viele Schlagwörter sollen umreißen, was im Kern die veränderte Arbeitswelt ausmacht. Bestimmte Trends wurden beschleunigt, wie z. B. die Wissensgesellschaft, die Verfügbarkeit von Daten oft ohne Infor- mationsgehalt, die Erledigung von Arbeit nahezu unabhängig von Zeit und Ort. Dies ermöglicht und fordert eine stärkere Eigenverantwortung unserer Mitarbeiter*innen und professionelles Vertrauen in Mitarbeiter*innen durch das Management. In Unternehmen geschieht dies nicht von alleine, sondern es braucht eine gute Begleitung. HR ist gefragt. Hierzu im nächsten Beitrag mehr, was eigentlich V4HR bedeutet.

Thomas Geilhardt
Über 30 Jahre Personalarbeit und Geschäftsführungsfunktionen in unterschiedlichen Branchen – Automobilindustrie, Handel, Energiewirtschaft und Mobilität – prägen die Erfahrung und Haltung von Thomas Geilhardt. Er sieht den HR Bereich als Netzwerker, Vorbild und Begleiter in Veränderungen, basierend auf professionellen und effizienten Services. Seit diesem Jahr steht er als Gesprächspartner Unternehmer*innen und Führungskräften im DACH Raum zu personellen Themen zur Verfügung: Als Coach, fachlicher Berater, Moderator und auch als Interimsmanager.
Kontakt: thomas.geilhardt@t-online.de

Paul Habbel
Fast 20 Jahre hatte Paul Habbel die Geschäftsführung in einem mittelständischen Industrieunternehmen inne. Nach der Welt- wirtschaftskrise 2009 hat er mit der Transformation dieses Un- ternehmens begonnen, von einer Linien- zu einer lernenden, lebendigen Organisation. Es ist die Haltung, die innere Einstellung mit dem Bekenntnis zu Autonomie und individueller Wahrhaftigkeit jedes einzelnen Akteurs im Unternehmen, die in Habbels Verständnis die unerlässliche Grundlage für eine lebendige und zukunftsfähige Organisation bildet. Seit 2019 begleitet er im deutschsprachigen Raum Organisationen auf dem Weg, das Altbewährte (Verlässlichkeit und Stabilität hervorbringen und dabei immer effizienter werden) mit dem Neuen (Führung, Koordination und Kontrolle neu verstehen, verknüpfen und verteilen) zu verbinden.
Kontakt: habbel@lebendigeorganisation.de