Für’s Selbstbewusstsein: Anerkennung von Vorgesetzten ist wichtiger als Gehalt

Das Mantra „nicht geschimpft ist genug gelobt“ prägt in Deutschland noch vielerorts die Führungskultur. Ob das besonders förderlich ist, scheint allerdings fraglich. In Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut YouGov hat sich die Jobseite Indeed (Düsseldorf) umgehört und herausgefunden: In Deutschland hängt das Selbstbewusstsein im Job in erster Linie von der Wertschätzung ab.

Als wichtigste Faktoren, die zum Selbstbewusstsein im Job beitragen, nannten die Befragten die Anerkennung von Vorgesetzten (55%), Kolleg*innen (42%) und Kunden (38%). Eine untergeordnete Rolle für das Selbstbewusstsein spielen dagegen offenbar Gehaltserhöhungen (31%), Bonuszahlungen (20%) und Beförderungen (12%).

Das sind die wichtigsten Faktoren, die das Selbstbewusstsein im Job fördern

1. Anerkennung von Vorgesetzten (55%)

2. Anerkennung von Kolleg*innen (42%)

3. Anerkennung von Kunden (38%)

4. Erfolgreich durchgeführte Projekte (36%)

5. Gehaltserhöhung (31%)

Besonders viel Wert auf die Anerkennung der Vorgesetzten legen Frauen (62%). Männer nannten das zwar ebenfalls als wichtigstes Kriterium, hier lag der Wert aber nur bei 48%. Mit zunehmendem Alter scheint der Bedarf an Anerkennung durch die Kolleg*innen abzunehmen: Von 52% bei den 18- bis 24-jährigen sinkt der Wert konstant bis auf 38% bei den 45- bis 54-jährigen. Dafür tragen mit zunehmendem Alter erfolgreich durchgeführte Projekte sowie die Anerkennung der Kunden stärker zum Selbstbewusstsein bei.

Frank Hensgens, Managing Director Indeed DACH, erklärt: „Eine wertschätzende Unternehmenskultur ist unbezahlbar. In einer positiven Umgebung sind die Arbeitnehmenden eher dazu bereit, mit Begeisterung und vollem Einsatz ihre Aufgaben zu erledigen. Es muss nicht immer die Gehaltserhöhung oder ein neuer Titel sein, um Anerkennung auszudrücken.“

Keine Angst vor dem großen Auftritt: Gesundes Selbstbewusstsein am Arbeitsplatz

Deutsche sind im Arbeitsleben Zweifler und Zauderer? Keineswegs! Über die Hälfte der Befragten schätzt sich als „eher selbstbewusst“ im Job ein. Mehr als ein Drittel hält sich sogar für „sehr selbstbewusst“. Damit zeichnet sich die große Mehrheit von 87% der Deutschen durch ein gesundes Selbstbewusstsein im Job aus. Mit dem Alter wächst das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten noch einmal: Rund ein Fünftel (21%) der 18-24-jährigen sind „sehr selbstbewusst“, während es in der Altersgruppe 55+ (43%) mehr als doppelt so viele sind.

Ein Drittel der Befragten hält sich im Privaten für selbstbewusster als im Job, knapp die Hälfte (46%) ist im Dienst und privat gleich selbstbewusst. Immerhin 15% treten beruflich selbstbewusster auf als in ihrer Freizeit. Auch hier spielt das Alter eine große Rolle: Knapp die Hälfte (49%) der 18-24-jährigen fühlt sich im Privaten selbstbewusster als im Job, bei den 55+ geht es nicht mal mehr einem Viertel (23%) der Befragten so.

Die Befragten sollten zudem einschätzen, ob sie für ihren aktuellen Job qualifiziert sind. Das erstaunliche Ergebnis: Mehr als ein Drittel (35%) hält sich für überqualifiziert. Gut die Hälfte dagegen ist überzeugt, aktuell genau den richtigen Job zu machen, in der Altersgruppe 55+ sind das sogar 61%.

Dieses Ergebnis nur als Beleg für ein übertriebenes Selbstbewusstsein abzutun, könnte für Arbeitgeber gefährlich werden. Es lohnt sich für die Verantwortlichen, einmal genau zu hinterfragen, wie es sich bei den eigenen Mitarbeitenden verhält. Sind sie vielleicht tatsächlich unterfordert? Bieten wir ausreichend Entwicklungsmöglichkeiten? Andernfalls könnten sie riskieren, dass sich ihr qualifiziertes Personal für einen anspruchsvolleren Job bei einem anderen Arbeitgeber entscheidet“, gibt Hensgens zu bedenken.

Nur durch Kontakte zum neuen Job?

Auf der anderen Seite sind über ein Viertel der Young Professionals (Altersgruppe 25-34) davon überzeugt, dass ihre Qualifikationen nicht das entscheidende Einstellungskriterium für ihren aktuellen Job waren: Sie glauben, dass ihre Position Glück oder Kontakten zuzuschreiben ist. Über alle Altersgruppen hinweg denken das nur 16%.

Skepsis im Job scheint insgesamt nicht zum deutschen Vokabular zu zählen – nur jeder Zehnte hat Angst davor, bei der nächsten Karrierestufe als überfordert aufzufallen. Gerade Frauen sehen in ihrer Karriere noch Luft nach oben: 69% sehen sich in der Lage, weiter aufzusteigen, ohne überfordert zu sein. Bei Männern sind das 59%. Allerdings fühlen sich 14% aller Befragten schon jetzt häufig überfordert. Dazu trägt möglicherweise die ausbaufähige Fehlerkultur in den Unternehmen bei: Nicht einmal die Hälfte (45%) der Befragten befindet, dass Fehler in ihrem Unternehmen erlaubt sind und dazugehören.

Hensgens erläutert: „Frauen werden im Berufsleben immer noch nicht ausreichend gefördert und arbeiten deshalb häufiger in Positionen, für die sie eigentlich überqualifiziert sind. Gerade in Führungspositionen herrscht immer noch ein starker Männerüberschuss. Ich kann nur allen Arbeitgebern raten, dem durch gezieltes Rekrutieren weiblicher Talente entgegenzuwirken. Da haben wir in Deutschland Nachholbedarf.“