Neue Grundsätze der OUTPLACEMENT-BERATUNG des BDU

Mit relativ wenig Aufsehen hat der BDU 2020 neue „Grundsätze der Outplacement-Beratung“ (GdOPB) veröffentlicht, die nach eigener Aussage „einen qualitativ hochwertigen und seriösen Beratungsprozess“ sicherstellen. Sie „bieten sowohl den Kunden und Kandidaten als auch den Outplacement-Beratungen selbst eine verlässliche Orientierung in allen Phasen der Dienstleistung“. In den Grundsätzen werden unter anderem detaillierte Aussagen getroffen zu

• Anforderungen an das Beratungsunternehmen

• Vorgespräch mit dem Auftraggeber

• Vertragsgestaltung

• Beratungsprozess mit dem Kandidaten

Die hier aufgestellten Kriterien ermöglichen Auftraggebern, die Qualität von Outplacement-Beratungsgesellschaften zu überprüfen, Angebote zu vergleichen unseriöse Anbieter zu eliminieren. Die Grundsätze können als wegweisend für die Branche gelten und werden mit Sicherheit dazu beitragen, das Qualitätsniveau der Outplacement-Beratung in Deutschland insgesamt anzuheben.

Zwei Themen verdienen besondere Erwähnung:

Keine Vermischung von Outplacement mit Personalberatung

Zu dem häufig bemängelten Dilemma der unerwünschten Vermischung von Outplacement und Personalberatung haben die neuen BDU-Grundsätze eine präzise und praxisnahe Regelung im Sinne der Auftraggeber getroffen. In § 6 Ziff. (6) heißt es: „Bietet die Outplacement-Beratung auch Leistungen der Personalberatung an, werden beide Bereiche strikt organisatorisch, personell und mandatsbezogen getrennt. Insbesondere werden Vergütungen durch zukünftige Arbeitgeber eines Kandidaten nicht angenommen. Mandate, die zu Interessenkollisionen führen, werden abgelehnt.“

Mindestberatungszeit für Kandidaten

Zudem wird in den Grundsätzen erstmalig die dem Kandidaten zustehende Beratungszeit geregelt: „Im Durchschnitt und abhängig vom konkreten Projekt sollen dem Kandidaten mindestens 10 Stunden monatlich zur Verfügung stehen (Beratungsleistung, Office-Dienstleistungen, Webinare, Workshops, Arbeitsmarktanalysen etc.).“ Diese Vorgabe ist ein großer Schritt in Richtung Transparenz und Vergleichbarkeit von Outplacement-Angeboten. Dennoch besteht hier weiterer Präzisierungsbedarf, denn es bleibt unklar, ob und wie viel Zeit für persönliche Gespräche mit dem Berater in den 10 Stunden enthalten sein muss. Theoretisch wäre es denkbar, dass die 10 Stunden nur aus Office-Dienstleistungen und Webinaren bestehen und dass der Kandidat seinen Berater überhaupt nicht zu Gesicht bekommt. Allerdings stellt die Tatsache, dass in den Grundsätzen ÜBERHAUPT eine Mindestzeit festgelegt wird, bereits eine große Verbesserung dar. Denn bisher war es gängige Praxis, einfach ein „3-Monats-Programm“ oder ein unbefristetes Programm zu vereinbaren, das im Extremfall mannlos nur in Form eines Online-Zugangs durchgeführt werden konnte. Wenn der Auftraggeber die Anzahl der persönlichen Beraterstunden genauer festlegen möchte, kann er dies ja mit dem jeweiligen Beratungsunternehmen aushandeln.

Die „Grundsätze der Outplacement-Beratung“ des BDU-Fachverbands in voller Länge finden Sie hier.

Dr. Cornelia Riechers arbeitet seit 1991 als Outplacement- und Karriereberaterin. In die Lehre ging sie bei Dr. Fritz Stoebe, dem Nestor der Outplacement-Beratung in Deutschland, und entwickelte dessen Konzept weiter. Auf ihrer Website Karriere-mit-Vision.de bietet sie Beratung für Unternehmen und für Privatpersonen an. Aus ihrer langjährigen Erfahrung entstanden mehrere Bücher, unter anderem der paradoxe Bewerbungsratgeber „So bleiben Sie erfolgreich arbeitslos“. Darüber hinaus machte Cornelia Riechers sich durch zahlreiche Presseveröffentlichungen zum Thema Outplacement einen Namen. Seit 2011 ist sie in unserer Redaktion für OUTPLACEMENTintern verantwortlich. In Kürze wird ihr nächstes Buch über die Geschichte der Outplacement-Beratung in Deutschland erscheinen.