Get back stronger – 5 Survival Tipps aus der Wüste, die uns helfen, in völlig unerwarteten Grenzsituationen einen klaren Kopf zu behalten und unseren Teams ein guter Leader zu sein.

Deutschland erwacht aus dem Sommermärchen der vermeindlichen Sicherheit. Die Corona‐Krise schlägt nun mit aller Härte zu. Die zweite Welle mag ausbleiben, doch die Einschränkungen und psychologischen Auswirkungen sind nicht aufzuhalten.

Mittlerweile muss der Letzte verstanden haben, dass Corona keine Eintagsfliege bleibt, sondern unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft grundlegend verändern wird. Oder anders: Wer jetzt nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.

Krisenmanagement reicht nicht mehr. Nun heißt es also einmal mehr, einen kühlen Kopf bewahren. Wir müssen tun, was getan werden muss. Kompromisslos die Weichen stellen für die Zukunft.

Woher nehmen wir die Kraft dafür?

Darüber spricht Conny Schumacher, Diplomsportökonomin, Buchautorin und Vortragsrednerin aus München in Ihrer “Überlebenskolumne”. Sie kennt absolute Extremsituationen durch ihre Wüstenwanderungen, die sie mit kleinen Teams durch die Wüste Negev in Israel macht. Seit mehreren Wochen schon verrät sie ihre bewährtesten Survival Tipps aus der Wüste, die uns helfen können, in plötzlich auftretenden Gefahrensituationen einen klaren Kopf zu behalten und unseren Teams ein guter Leader zu sein.

Heute: Get back stronger – Das Wissen, etwas aus eigener Kraft geschafft zu haben, kann Ihnen niemand jemals wieder wegnehmen!

„Die wahre Kraft kommt aus dem Inneren.“ Wer das als blanke Esoterik abtut, hat sich nie mit intrinsischer Motivation beschäftigt. Es gibt in uns allen eine Kraft, eine treibende Kraft, die unaufhaltsam ist, die vorwärts strebt, Löungen sucht, macht, tut. Vor allem in Krisensituationen.

Wenn wir einmal alles weglassen im Leben, wenn wir alles verlieren, unsere Existenz, unsere Familie, unser Ersparnisse – dann bleibt uns nichts anderes als diese Kraft. Sie entscheidet über weiterleben oder aufgeben. Sie ist also sehr real. Ich bezeichne sie als Lebenswille.

Auf meinen Wüstentripps habe ich die Existenz und Wirkung dieser inneren Kraft sehr intensiv erleben und beobachten können. Diese Kraft, die uns weitertreibt. Durchhalten lässt, Lösungen finden lässt, ankommen lässt. Der Prozess, sie wieder zu aktivieren, vollzieht sich in 3 Schritten, die auf alle Lebensbereiche übertragbar sind:

Zunächst laufen Sie. Alles istwunderbar.Sie fühlen sich großartig. Sie sind euphorisch, das Leben ist ein Rausch an Intensität und Möglichkeiten. Sie haben alles im Griff, sind der Chef im Ring Ihres Lebens. Genuß pur. Sie reiten die Welle des Lebens. Sie fühlen sich stark und unbesiegbar.

7 Stunden später laufen Sie immer noch. Doch mittlerweile tun Ihnen die Füße weh. Sehr weh. Der Körper signalisiert: „Ich kann nicht mehr,ich will mich ausruhen.“ Doch Sie sind mittendrin im Niemandsland. Sie können nicht stehenbleiben, sich hinlegen und einfach liegenbleiben. Es wäre Ihr sicherer Tot. Sie würden verdursten.

Auf einmal wird Ihnen klar, auf was für einem Ritt Sie sich in Wirklichkeit befinden. Aus „geht schon“ wird Ernst. Nun geht’s ans Eingemachte. Sie sind am kämpfen mit sich, Ihrem Körper und Ihrer aufsteigenden Angst. Mit den Gedanken, die Sie beginnen, zu quälen.

Wenn Sie könnten, würden Sie jetzt austeigen, stimmts?

Dabei ist genau dieser Punkt Ihre Chance, Ihre berühmte Komfortzone deutlich zu erweitern. Ihre wahre Kraft zu spüren und einmal (mehr) zu erleben, was wirklich in Ihnen steckt.

Ich benutze in solchen Situationen einen simplen Trick: Ich gebe meinem Hirn eine banale Aufgabe zu tun. Eine Konzentrationsaufgabe, die es zwingt, von Sorgen und Ängsten abgelenkt zu werden.

Um das zu verstehen müssen Sie folgendes wissen: Unser Hirn denkt. Immer. Es gibt uns aus den Lebenserfahrungen, die wir gesammelt haben, Ratschläge, um uns zu beschützen. Das ist sein Job! Das muss man wissen. Denn dann – und nur dann – ist man in der Lage, diese Gedanken zu ignorieren.

Um negative Gedanken zu ignorieren gibt es verschiedene Techniken. Die einen fragen sich: „Ist es wahr? Ich werde jetzt sterben? Woher weißt du das?“ Die anderen sagen zu sich selbst: „Danke für den Hinweis“. Alle diese Methoden wirken wie eine Art „Separator“, der den gewohnten Fluß der Gedanken unterbricht. Doch meine Erfahrung ist: Sie kommen wieder!

Ich behelfe mir daher mit einer ganz simplen Methode: ich zähle von 1 bis 100. Und dann von 100 auf 1. Mehrmals. Das ist neutral und emotionslos. Wenn ich merke, die Aufgabe wird zu leicht, mein Gehirn kann nebenbei wieder negative Gedanken produzieren, dann zähle ich auf englisch von 1 bis 100, und von 100 auf 1. Und wenn das nicht mehr ausreicht, weil ich immer noch nicht angekommen bin ‐ zählen Sie in allen Sprachen dieser Welt. Es ist egal ob Sie alles richtig machen oder nicht. Wichtig ist, dass Ihr Gehirn gezwungen ist, sich auf andere Dinge zu konzentrieren.

Wenn es sein muss, zählen Sie laut. Lauter als Ihre Gedanken dagegen reden wollen!

Irgendwann kommt der Punkt, das Phänomen, dass Sie nur erleben, wenn Sie diese entscheidende Phase bewusst durchgestanden haben: Wenn Sie aufhören, Ihren Gedanken Aufmerksamkeit zu schenken, hören diese auf. Das Gehirn gibt Ruhe. Die Energie, die aufgewendet wird, um negative Gedanken zu produzieren, wird für andere Aktivitäten nötiger gebraucht.

UND JETZT KOMMT DIE BELOHUNG: Auf einen Schlag fällt alles lähmende von Ihnen ab. Jetzt sind Sie frei. Frei von Angst und lähmenden Gedanken. Jetzt sind Sie in Ihrer wahren Kraft. Sie laufen wie Duracell.TunIhnen deswegen noch die Füße weh? Oh ja. Aber es ist Ihnen egal. Sie können es ausblenden. Sie sind jetzt in der Lage zu tun, was getan werden muss. Instinktiv und kompromisslos. Das einzige, was Sie jetzt noch stoppen kann, ist ein Wertekonflikt. Doch dann wiederholen Sie einfach den Prozess. Sie werden in sich die richtige Lösung finden. Es ist immer derselbe Prozess: Schalten Sie Ihr Hirn aus. Je weniger Ihre anerzogenen Gedanken und Ängste Sie beeinflussen, desto eher entscheiden Sie aus Ihrer wahren Persönlichkeit heraus.

Sprengen Sie die Enge Ihrer anerzogenen Komfortzone

Sie haben den Alltagsverstand überwunden. Oder sagen wir anders: Sie haben die Grenzen Ihrer Komfortzone gesprengt. Sie sind jetzt in Ihrer wahren Kraft. Entscheidungen kommen plötzlich nicht mehr aus dem Verstand, sondern aus einer anderen Ebene. Diese Phase wird in der Psychologie als „Lernphase“ bezeichnet.

Müssen wir deswegen in die Wüste gehen, oder uns in Lebensgefahr begeben, um sie zu erleben? Ich sage NEIN: Denn wie im großen, so im kleinen. Wir erleben es schon, wenn wir uns aufraffen und z.B. laufen gehen. Oder Kundenakquise per Telefon machen: Die ersten 20 Minuten kosten Überwindung. Da schreit ein Teil in uns: „Ich will nicht!“. Bis wir „warm sind“, „drin sind“. Dann beginnt es, leicht zu werden und sogar Spaß zu machen.

Es hilft also schon zu wissen, wie wir diese Schwelle überwinden, und in den Bereich des Flow zu kommen. Aus meiner Erfahrung sind nagende Angstgedanken ein sicherer Indikator, dass wir uns an dieser Schwelle befinden. Wenn Sie in Zukunft den bremsenden Gedanken und Gefühlen nicht mehr nachgeben, sondern einfach hindurchgehen, dann erleben Sie sie wieder, diese innere Kraft und Freiheit, nach der wir uns alle sosehen.

Was bringt mir diese Kraft?

Kennen Sie Menschen, die souverän sind, präsent wirken, in sich ruhen – so als ob sie nichts aus der Bahn werfen kann? Jetzt wissen Sie, was diese Menschen ausmacht: Sie wissen um ihre innere Kraft.

Diese Kraft macht uns stark, unabhängig und frei. Und sie ist trainierbar. Ja, es ist Arbeit aber es lohnt sich.Werjemals etwas aus eigener Kraft– aus dieser inneren Kraft heraus ‐ geschafft hat, den pustet nichts so schnell wieder um. Es feit zwar nicht vor weiteren Lebenskatastrophen, doch es gibt uns die Sicherheit, allem, was auf uns zukommt in Würde entgegenzutreten. Sie werden vom Spielball Ihrer Ängste zum Meister der Situation.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft für die nächsten Wochen und Monate. Denken Sie einfach zurück an die Momente, in denen Sie sich frei und völlig, wie Sie selbst gefühlt haben. Lernen Sie, Ihre Gedanken zu kontrollieren. Es gibt genügend einfache Techniken dazu.

Herzlichst, Ihre Conny Schumacher

Conny Schumacher ist Dipl. Sportökonomin und Buchautorin aus München. 2018 wanderte sie erstmals als Miniteam durch die Wüste Negev in Israel, mit dem Ziel, „flache Hierarchien in Extremsituationen“ zu testen. Über diese Erfahrungen gibt sie Keynote Vorträge für Teams und Führungskräfte, und inspiriert Menschen, sich endlich die Dinge zuzutrauen, von denen wir sonst immer denken „…dass das nur die anderen können“. www.conny-schumacher.de