Get back stronger – 5 Survival Tipps aus der Wüste, die uns helfen, in völlig unerwarteten Grenzsituationen einen klaren Kopf zu behalten und unseren Teams ein guter Leader zu sein.

Deutschland hat zu Beginn der Pandemie eine Solidaritätswelle erlebt, wie sie seines gleichen sucht. Doch die Hilfsbereitschaft ist abgeflaut. Ein Groß der Gesellschaft denkt mittlerweile wieder nur an sich und seinen Vorteil.

Gleichzeitig wird gejammert, dass der Konkurrenzdruck in Unternehmen massiv steigt und der Kampf um den eigenen Arbeitsplatz neue Formen der Rücksichtslosigkeit angenommen hat.

Grund genug, heute einen Blick auf das Verhalten der Führungsriege, der Führungskräfte untereinander zu werfen: Wie gehe ich damit um, wenn ich befürchten muss, dass mein Job wegrationalisiert wird? Machen Ellenbogen Sinn, oder sind in Extremsituationen andere Verhaltensmuster gefragt?

Darüber spricht Conny Schumacher, Diplomsportökonomin, Buchautorin und Vortragsrednerin aus München in Ihrer “Überlebenskolumne”. Sie kennt absolute Extremsituationen durch ihre Wüstenwanderungen, die sie mit kleinen Teams durch die Wüste Negev in Israel macht. Seit mehreren Wochen schon verrät sie ihre bewährtesten Survival Tipps aus der Wüste, die uns helfen können, in plötzlich auftretenden Gefahrensituationen einen klaren Kopf zu behalten und unseren Teams ein guter Leader zu sein.

Heute: Führungskräfte unter sich: Wie aus Konkurrenten Kollegen werden

In der Wüste habe ich beobachtet, dass zunächst jeder für sich geht. Jeder ist hochmotiviert, will sein Ziel erreichen, durchsetzen, was er sich vorgenommen hat. Völlig klar und berechtigt. Es wird uns ja täglich und an jeder Ecke erklärt, dass wir UNSER DING machen sollen, zuerst auf uns achten sollen. Unsere Ziele und Visionen im Blick haben sollen. Den Fokus halten sollen.

Doch schon nach kurzer Zeit in derartigen Extremsituationen kristallisiert sich heraus, dass jeder von uns öfters mal stärkere Phasen hat und auch mal schwächere Phasen hat.

Schwächere Phasen sind allenthalben in der Wirtschaft zu vermeiden. Keiner will zugeben, dass es ihm nicht gut geht, dass er Sorgen hat. Warum? Weil wir gewöhnt sind, die Schwächen anderer auszunutzen. Unseren Vorteil aus der Schwäche eines Mitbewerbers zu schlagen. Nach dem archaischen Prinzip: Der Stärkste überlebt. Was interessiert uns da der andere!

Willkommen im Haifischbenken!

Was geschieht, wenn jeder nur darauf wartet, dass andere Fehler machen, um sich selbst gut dar zu stellen? Jeder wird vorsichtig. Mißtrauen macht sich breit. Die Stimmung im Team wird kalt, die Produktivität sinkt.

Nun frage ich Sie als Leader – und vor allem als Führungspersönlichkeit: Sind Sie Ihrem Unternehmen dienlich, wenn es keine Vertrauensbasis mehr gibt? Wenn jeder seine Energie darauf verwendet, unangreifbar zu sein? Mehr noch: Beim anderen die Schwäche zu suchen und zum eigenen Vorteil auszunutzen?


Wie wir anders mit Konkurrenz umgehen – und zugleich produktiver werden können!

Profisportler wissen, dass jeder der Kollegen auch von seinem Job leben muss. Da ist es wichtig, ab und zu zu gewinnen, um die Sponsoren zu halten. Es ist aber für JEDEN wichtig! Und das weiß auch jeder!

Von daher tritt man nicht nur nicht nach, man HILFT sich gegenseitig aus, wenns mal eng wird. Auch wenn jeder für sich kämpft. Es gibt im Sport tatsächlich einen Ehrenkodex. Man nennt das Fairplay. Fairplay ist Ehrensache. Jeder, der es erwartet, macht auch mit!

Was bedeutet Fairplay für den Einzelnen? Er kann sich in einem bestimmten Rahmen auf die Loyalität eines Kollegen verlassen. Das gibt Vertrauen, in schwachen, in menschlichen Momenten nicht übervorteilt zu werden. Und das wiederum setzt enorme Kräfte frei. Kräfte, die sonst gebunden sind fürs „Fassade aufrecht halten“.

In der Wüste wurde für jeden von uns auf Dauer der Druck der Belastung zu hoch und so haben viele meiner Mitwanderer Abends am Lagerfeuer den anderen ihr Herz ausgeschüttet. Jeder, der dabei war weiß seither, wer an wessen Stuhl sägt, wer mit wem was hat oder gerne hätte. Und jedem von uns hat es gut getan, ehrlich sein zu dürfen und menschliche Züge zu zeigen.

Das funktionierte, weil wir eine klare Regel hatten: „Was am Lagerfeuer gesagt wird, bleibt am Lagerfeuer!“ Es wird diskret behandelt. Das ist Ehrensache.

Was hat sich für unser Team dadurch positiv verändert? Nun, ein Team ensteht nicht durch die gemeinsamen Erfolge, sondern durch die Schwierigkeiten, die es gemeinsam bewältigt hat. Wir wurden eine Gemeinschaft. Das setzte bei jedem ungeahnte Kräfte frei, die wiederum allen zugute kamen! Wir haben es durch die Bank als befreiend empfunden, mal ehrlich Tacheles reden zu dürfen, ohne Angst vor Konsequenzen!

Sie wollen weniger Druck im Haifischbecken? Dann kommt hier mein Appell an alle, die gerade in der jetzigen Phase keine Kollegen, sondern nur Konkurrenten sehen:

Jeder, der so weit auf der Leiter gekommen ist, weiß, was er dafür getan hat. Daher weiß auch jeder, was die anderen dafür getan haben. Jeder muss sein Häuschen abzahlen und die Famile durch die harte Zeit bringen. Also lasst uns doch um Gotteswillen aufhören, Männchen voreinander zu machen. Lasst uns loyal sein und den anderen nicht als Zielscheibe benutzen, um uns besser darzustellen, als wir wirklich sind.

Wirtschaftsfaktor Menschlichkeit!

Hören Sie auf, umzustrukturieren, Personal einzusparen, an anderen Stühlen zu sägen und die Ellenbogen auszufahren. Dann geht es nicht nur dem Einzelnen besser, sondern auch der gesamten Firma! Vielleicht bekommen Sie vorübergehend keine Beförderung, aber es gibt zumindest keine weiteren Jobverluste!

Sie hatten Nutzen von diesem Tipp? Dann freuen Sie sich auf weitere Impulse aus Connys Wüstenrepertoire. Das nächste Mal spreche ich über das Thema “Get back stronger – Das Wissen, etwas aus eigener Kraft geschafft zu haben, kann Ihnen niemand jemals wieder wegnehmen!“

Conny Schumacher ist Dipl. Sportökonomin und Buchautorin aus München. 2018 wanderte sie erstmals als Miniteam durch die Wüste Negev in Israel, mit dem Ziel, „flache Hierarchien in Extremsituationen“ zu testen. Über diese Erfahrungen gibt sie Keynote Vorträge für Teams und Führungskräfte, und inspiriert Menschen, sich endlich die Dinge zuzutrauen, von denen wir sonst immer denken „…dass das nur die anderen können“. www.conny-schumacher.de