OUTPLACER = GEWINNER DER CORONA-KRISE? Neue Studie des BDU zum Outplacement-Markt 2020 (Teil 1)

„Outplacement-Berater erwarten nach Auslaufen des Kurzarbeitergeldes eine kräftige Nachfrage“ – unter diesem Titel stellt der BDU im Juli 2020 seine neue Studie zum Outplacement-Markt vor. Noch für 2020 wird ein Umsatzplus von 2 % vorausgesagt (auf 89 Mio. Euro). 2021 soll der Umsatz sogar kräftig in zweistelliger Höhe nach oben schnellen.

Aus welcher Quelle sich die Zuversicht der Outplacement-Berater speist, bleibt unklar. Zwar könnte man vermuten, dass bei einer steigenden Zahl von Entlassungen – wie durch die Corona-Krise zu erwarten – auch die Nachfrage nach Outplacement-Beratung steigt. Doch Branchenkenner wissen, dass dieser Zusammenhang so nicht existiert. Vielmehr sind die Umsätze der Outplacement-Branche in den vergangenen Jahrzehnten stets im Gleichklang mit der Konjunkturentwicklung gestiegen oder gefallen.

Ein noch nicht allzu lange zurückliegendes Beispiel ist die Finanzkrise von 2009. Die BDU-Marktstudien belegen, dass diese Krise in den Folgejahren 2010 und 2011 zu erheblichen Umsatzeinbußen in der Outplacement-Branche führte. Dadurch verloren einige Beratungsunternehmen sogar ihre Existenzgrundlage. Unter anderem musste einer der großen Anbieter, die SKP AG, Insolvenz anmelden. Erst im Jahr 2012 waren die Verluste wieder ausgeglichen; mit 68 Mio. Euro Branchenumsatz wurde das Vorkrisenniveau wieder erreicht und sogar leicht übertroffen.

Nach diesen Erfahrungen wäre – statt eines enormen Umsatzwachstums – eher davon auszugehen, dass die negativen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sich auch auf die Outplacement-Branche auswirken und zu deutlichen Umsatzrückgängen führen werden.

Studienteilnehmer: Teilnehmer der 2020-er Marktstudie waren 14 auf Outplacement-Beratung spezialisierte Unternehmen. Nach Angaben des BDU repräsentieren diese rund 44 % des gesamten Branchenumsatzes, also nicht einmal die Hälfte. Bei der letzten Studie von 2016 waren es noch 20 Unternehmen mit 60 % des Gesamtumsatzes, und in der Studie davor (2014) repräsentierten die Befragten sogar 75 % des Gesamtumsatzes.

Marktteilnehmer: Die aktuelle Studie verzeichnet insgesamt 180 Unternehmen, die Outplacement-Beratung anbieten, davon 60 Spezialisten und geschätzte 120 (20 weniger als in 2016), in denen Outplacement-Beratung nur einen Teilbereich darstellt. Die Zahl der beratenden Personen stieg von 580 auf 620. Nach Angaben der 2016-er Studie ist weniger als ein Drittel der Berater angestellt; die restlichen fungieren als freie Mitarbeiter.

Umsatz: Der Gesamtumsatz der Branche betrug 87 Mio. Euro im Jahr 2019 – das ist eine Stagnation nach drei Jahren kontinuierlichen Wachstums, ausgehend von 78 Mio. Euro im Jahr 2015.

Die Studie kann für derzeit 103,24 Euro beim BDU bestellt werden.

Fortsetzung in Pi 30/20 (24. Juli 2020)

Dr. Cornelia Riechers ist Gründerin des seit 1993 existierenden Unternehmens Quality Outplacement, das sie 25 Jahre lang leitete und als dessen Beirätin sie bis heute fungiert. In die Lehre ging sie bei Dr. Fritz Stoebe, dem Nestor der Outplacementberatung in Deutschland, und entwickelte dessen Konzept weiter. Sie schrieb mehrere Bücher: „So bleiben Sie erfolgreich arbeitslos. Ein paradoxer Bewerbungsratgeber“,„Turbo zum Traumjob: Der Zielgruppenbrief“ und „Karrierecoach gesucht? So erkennen Sie schwarze Schafe und finden den Richtigen“. Darüber hinaus machte Cornelia Riechers sich durch zahlreiche Presseveröffentlichungen zum Thema Outplacement einen Namen. Seit 2011 ist sie in unserer Redaktion für OUTPLACEMENTintern verantwortlich.