PERSONALABBAU AUF FREIWILLIGER BASIS

Statt Kündigungen setzen immer mehr Unternehmen auf Programme, die das freiwillige Ausscheiden von Mitarbeitern zum Ziel haben. Grund dafür ist zum einen die Vermeidung von Imageschäden; zum anderen sind bei manchen Firmen wegen einer vereinbarten Beschäftigungsgarantie Kündigungen gar nicht möglich. Der Personalabbau auf freiwilliger Basis bietet Vorteile:

  • weniger Unruhe im Betrieb
  • keine gerichtlichen Streitigkeiten
  • eventuell schnellere Durchführung

Die Freiwilligenprogramme gibt es in zwei Varianten:

  1. Offen, dabei erhalten alle Mitarbeiter (bis auf bestimmte Key Player) das Trennungsangebot
  2. Selektiv, dabei werden nur zuvor definierte Mitarbeiterkreise angesprochen

Offene Programme bergen die Gefahr, dass gerade diejenigen Mitarbeiter gehen, die das Unternehmen eigentlich behalten wollte – solche mit marktgerechter Qualifikation und hoher Eigeninitiative, die sich am Arbeitsmarkt gute Chancen ausrechnen können und das Trennungspaket des alten Arbeitgebers gern als zusätzlichen Bonus mitnehmen.

Selektive Programme können hingegen sehr erfolgreich sein, wenn sie gut vorbereitet werden. Zu den Erfolgsfaktoren gehören u. a.

  • Höhe der Abfindung
  • Sprinterprämie für kurzfristige Entscheidungen
  • Erarbeitung eines neuen Ziels für den Mitarbeiter mit professioneller Hilfe
  • Outplacement-Beratung

Dabei scheint der Blick in die Zukunft entscheidend zu sein. „Mitarbeiter in Freiwilligenprogrammen brauchen ein neues Ziel, denn sonst nehmen sie nicht daran teil. Wer nicht weiß, wohin er geht, bewegt sich im Zweifelsfall gar nicht“, sagt Claudia Michalski, geschäftsführende Gesellschafterin von OMC Open Mind Consulting, im PersonalMagazin 04/2019. Als Instrument zur Zielfindung kann ein vertrauliches und ergebnisoffenes Gespräch des Mitarbeiters mit einem Berater dienen, um zu klären, ob die Teilnahme an dem Freiwilligenprogramm für diesen Mitarbeiter sinnvoll ist.

OUTPLACEMENTintern hat schon mehrfach über Freiwilligenprogramme berichtet, etwa in Verbindung mit E-Placement („Outplacement ohne Kündigung“, OPi vom 28.09.2012) oder über die Erfahrungen zweier Personalleiter („Neue Wege beim Personalabbau auf freiwilliger Basis“, OPi vom 30.09.2011). In dem zitierten Beitrag aus KMA Das Gesundheitswirtschaftsmagazin nennt ein Personalleiter sogar konkrete Zahlen: Von rund 100 Beschäftigten, denen ein Zielklärungsgespräch mit einem externen Berater angeboten wurde, hat sich etwa die Hälfte darauf eingelassen. Gab es im Vorfeld noch Missmut und Zweifel, so war die Resonanz nach dem Gespräch durchweg positiv. Zwischen 80 und 90 Prozent der betreffenden Mitarbeiter haben das Unternehmen danach freiwillig verlassen.

Dr. Cornelia Riechers ist Gründerin des seit 1993 existierenden Unternehmens Quality Outplacement, das sie 25 Jahre lang leitete und als dessen Beirätin sie bis heute fungiert. In die Lehre ging sie bei Dr. Fritz Stoebe, dem Nestor der Outplacementberatung in Deutschland, und entwickelte dessen Konzept weiter. Sie schrieb mehrere Bücher: „So bleiben Sie erfolgreich arbeitslos. Ein paradoxer Bewerbungsratgeber“, „Turbo zum Traumjob: Der Zielgruppenbrief“ und „Karrierecoach gesucht? So erkennen Sie schwarze Schafe und finden den Richtigen“. Darüber hinaus machte Cornelia Riechers sich durch zahlreiche Presseveröffentlichungen zum Thema Outplacement einen Namen. Seit 2011 ist sie in unserer Redaktion für OUTPLACEMENTintern verantwortlich.