Candidate Journey – eine Reise ins Ungewisse?

Dieses Fazit könnte man wirklich ziehen. So jedenfalls das Feedback von sehr vielen Bewerbern.

Sie beklagen, dass Sie nichts hören. Und zwar oft gar nichts hören. Eingangsbestätigungen scheinen oft schon ein kleines Erfolgserlebnis für viele Bewerber zu sein, so nach dem Motto: „Naja habe ja wenigstens eine Eingangsbestätigung bekommen“. Absagen sind schon die höhere Weihe. Die bleiben oft völlig aus. Das heißt der Bewerber weiß gar nicht wo er im Bewerbungsprozess steht. Es gibt Unternehmen, die es sich sogar zur Gewohnheit machen, Bewerbungen grundsätzlich nicht zu beantworten. Oder auch auf keinen Fall innerhalb der ersten drei Wochen. Einfach so, damit der Bewerber nicht annehmen könnte, dass er gebraucht wird.

Aber wie heißt es so schön: „wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“.

Stellen wir uns das mal genauer vor. Sie reagieren auf ein Angebot. Jetzt in meinem Beispiel auf ein attraktives Reiseangebot. Alles hat Sie überzeugt. Es wird Ihnen Sonne, Strand in fußnähe und Zimmer mit tollem Ausblick angepriesen. Dieses Angebot hat Sie überzeugt Sie werden aktiv. Sie fragen nach ob es noch Plätze zum gewünschten Zeitraum gibt und warten schon gespannt auf Feedback, denn Sie wollen buchen.

Aber nichts passiert. Es kommt keine Eingangsbestätigung für Ihre Anfrage. Oder eine Mitteilung, wann Sie mit einer Antwort rechnen können. Was würden Sie in einem solchen Fall tun?

Wenn Sie bereits sehr auf dieses Angebot fixiert sind, dann fassen Sie nach oder machen sogar ein wenig Druck. Denn als vermeintlicher Kunde können Sie sich das auch mit Recht beim Anbieter / Dienstleister einfordern.

Bewerber wollen ebenfalls auf die Reise gehen.

Aber im Bewerbungsprozess gibt es diese Rollen „Kunde und Dienstleister“ nicht. Heißt, die Bewerber fühlen sich eher als Bittsteller, Sie buhlen um eine Stelle und sie tun einiges um zu überzeugen.

Nur welche Rolle nimmt denn jetzt der Arbeitgeber ein?

Eigentlich sollte er sich innerhalb der Candidate Journey als „Dienstleister“ sehen. Jedenfalls sollte er sich so verhalten. Beginn der Reise ist jetzt die Stellenanzeige (oft erster touch Point).

Aber hier bereits trennt sich schon die Streu vom Weizen. In einem Reiseangebot ist eine Hotline angegeben, ein Reisebüro, eine Kontaktadresse. Hier ist alles auf (Umsatz)gepolt.

Im Bewerbungsprozess ist das offensichtlich anders.

Bewerbungen sind zwar erwünscht, aber danach bestimmt das Unternehmen die Regeln. Es gibt oft keine Ansprechpartner. Oft wird sogar darauf verwiesen, dass von persönlichen Anfragen oder Nachfragen bitte Abstand genommen werden soll. Super. Die Reise ins Ungewisse hat begonnen.

Aber wissen Sie was mich tröstet? Dass Sie, mit vielen anderen Unternehmen, gelernt haben „den Kandidaten als Kunden zu bedienen“ und sie entsprechend zu behandeln.

Der Kunde „Bewerber“ dankt es Ihnen, er behält Sie in guter Erinnerung, sogar trotz höflicher Absage: „Vielen Dank für Ihr Interesse, aber leider sind alle Plätze vergeben. Wir informieren Sie aber gern über neue Angebote“. Das nenne ich einen gelungenen Bewerbungsprozess.

In diesem Sinne, danke, dass Sie zu den positiven Ausnahmen gehören.

Ihre Johanna Füllgraf