OUTPLACEMENT-PRAXIS: WELCHE VERTRAGSMODELLE GIBT ES?

Seit 1979 wird Outplacement-Beratung in Deutschland praktiziert. Aber noch immer ist sie wenig bekannt, besonders was die konkreten Leistungen angeht. Deshalb werden hier die wichtigsten Vertragsmodelle in der Einzelberatung erläutert:

  1. Unbefristete Beratung: Dies ist die klassische Form der Outplacement-Beratung. Sie kommt in der Regel höheren Führungskräften zugute und dauert so lange, bis der Klient einen neuen Arbeitsvertrag unterzeichnet hat, in manchen Fällen sogar bis zum Ende der Probezeit im neuen Job. Hierfür verlangen Outplacement-Spezialisten laut BDU durchschnittlich 21 % des Bruttojahreseinkommens des Klienten oder 22.500 Euro. Zusätzliche Leistungen wie Büronutzung oder „Rückkehrgarantie“ kosten extra. Rückkehrgarantie bedeutet, dass die Beratung honorarfrei wieder startet, falls das neue Arbeitsverhältnis innerhalb der ersten sechs Monate scheitert.
  2. Monatsprogramme: Diese dauern einen, drei, sechs oder zwölf Monate (auch andere Zeitspannen sind möglich). Die Leistungen sind nicht immer präzise definiert. Neben individuellen Beratungsgesprächen erhält der Klient Zugang zu einem Internet-Portal mit Informationen und Selbstlern-Angeboten. Welchen Anteil die individuelle Beratung ausmacht, bleibt oft unklar. Teilweise enthalten diese Programme auch Weiterbildungskurse wie Telefontraining, Zeitmanagement oder Business Englisch. Die Kosten variieren sehr stark. Für ein bis zu sechsmonatiges Programm fallen durchschnittlich 9.000 Euro an, für ein Zwölfmonats-Programm 15.000 Euro. Bei einigen Beratungsgesellschaften kann Jobhunting, auch aktive Marktbearbeitung genannt, kostenpflichtig hinzugebucht werden. Hier suchen Mitarbeiter des Beratungsunternehmens aktiv nach Stellenangeboten für den Klienten.
  3. Beratungskontingente: Wenige Outplacement-Anbieter vereinbaren ein festes Kontingent von Beratungsstunden oder Tagen, die der Klient sich nach seinen Bedürfnissen einteilt. So kann der Arbeitsuchende seinem individuellen Zeitplan folgen, etwa zuerst eine Auszeit nehmen, sich um ein erkranktes Familienmitglied kümmern, eine Umschulung beenden. Er kann seine Bewerbungskampagne zu einem für ihn günstigen Zeitpunkt starten, ohne dass die Beratung während der Auszeit verfällt und ohne dass sie womöglich gerade zu Ende ist, wenn der Bewerber sich mitten in der heißen Phase befindet. Bei diesem Modell ist mit Tagessätzen von rund 2.000 Euro oder Stundensätzen von etwa 250 bis 300 Euro zu rechnen.

Die Kosten übernimmt in der Regel der Arbeitgeber, der hierfür Zuschüsse der Agentur für Arbeit beantragen kann. Theoretisch kann auch der ausscheidende Mitarbeiter an den Kosten beteiligt werden – was jedoch meist dazu führt, dass Letzterer das Beratungsangebot ablehnt.

Dr. Cornelia Riechers ist Gründerin des seit 1993 existierenden Unternehmens Quality Outplacement, das sie 25 Jahre lang leitete und als dessen Beirätin sie bis heute fungiert. In die Lehre ging sie bei Dr. Fritz Stoebe, dem Nestor der Outplacementberatung in Deutschland, und entwickelte dessen Konzept weiter. Sie schrieb mehrere Bücher: „So bleiben Sie erfolgreich arbeitslos. Ein paradoxer Bewerbungsratgeber“, „Turbo zum Traumjob: Der Zielgruppenbrief“ und „Karrierecoach gesucht? So erkennen Sie schwarze Schafe und finden den Richtigen“. Darüber hinaus machte Cornelia Riechers sich durch zahlreiche Presseveröffentlichungen zum Thema Outplacement einen Namen. Seit 2011 ist sie in unserer Redaktion für OUTPLACEMENTintern verantwortlich.