Falsche Mitarbeiter oder falsche Vorstellungen? Der perfekte Match dank Persona-Konzept – so geht‘s (Teil 1/2)

von Susanne Nickel
„Wir finden einfach nicht die richtigen Mitarbeiter.“ „Wo sind nur die guten Kandidaten?“ „Nur zwei Bewerbungen auf unsere ausgeschriebene Stelle und gerade mal 67 Klicks.“ Viele Unternehmen suchen händeringend geeignetes Personal. Selbst wenn es keine hohe Fluktuation gibt – der dringend benötigte frische Wind bleibt häufig aus. Die Zeiten des nicht versiegen wollenden Bewerberstroms sind vorbei: Organisationen müssen sich heute bei Fachkräften bewerben, um im War for Talents die Nase vorn zu haben.

Wenn Unternehmen weder in punkto Standort noch mit ihrem Image glänzen können, müssen HR-ler sich etwas einfallen lassen. Doch eine neue Recruiting-Strategie kann nur greifen, wenn die Abteilung weiß, wen sie genau sucht. Klare Personas bilden den idealen Startpunkt für eine kluge Analyse der Candidate Experience und andere Veränderungen des Recruiting-Prozesses.

Was ist das Persona-Konzept?

Das Persona-Konzept kommt ursprünglich aus dem Marketing und hat in verbraucher- und kundenorientierten Wirtschaften seinen festen Platz. Es dient dazu, den typischen Kunden als reale Person mit Bedürfnissen, Vorlieben und Wünschen abzubilden. Wie reale Menschen besitzt eine Persona Ziele, hat Werte, Erwartungen, Bedarf und zeigt ein bestimmtes Verhalten. Ziel des Konzeptes ist es, die potenziellen Nutzer eines Produktes möglichst umfassend zu erforschen.

So können auch potenzielle Bewerber eingegrenzt und greifbar gemacht werden. Kandidaten-Personas im Recruiting sind ideale Bewerberprofile, bzw. Talente, die einer festgelegten Kandidatenzielgruppe angehören und bestimmte Merkmale aufweisen. Sie helfen Unternehmen dabei, sich in die Schuhe ihrer Wunschbewerber zu versetzen und zu verstehen, welche Erwartungen, Wünsche und Bedürfnisse sie hegen.

So geht’s! – Leitfaden zur Durchführung des Persona-Workshops

Set-up: Zwölf Teilnehmer aus HR, Fachabteilungen, Mitarbeiter, Manager, New Hires, Studenten etc. bilden ein Team. Abteilungsübergreifende, kreative Kollaboration (Co-Creation) mit kreativen Methoden sorgt dafür, dass nicht bloß im HR-eigenen Sud „gekocht“, sondern verschiedene Sichtweisen aufeinandertreffen und so neue Ideen geboren werden. Und wer weiß am besten Bescheid, was Kandidaten wollen? Sie selbst! Daher ist es entscheidend, dass Kandidaten selbst Teil des Workshops sind – und dass New Hires, Praktikanten oder Azubis einen frischen Blick auf die Bewerbungs- und Einstellungsprozesse ergänzen.

Step 1: Bevor der Workshop beginnt, werden die Bereiche definiert, in denen es schwer zu besetzende Stellen gibt: zum Beispiel IT, speziell Ingenieure, Fachberufe ohne Studium. Alle zugängigen Informationen werden gesammelt – Zahlen, Daten, Fakten zur Besetzung, Zeit, Anzahl der Bewerbungen, interne Prozesse, Abbruchquote, bisherige interne Kommunikation etc.

Step 2: Festlegen der betroffenen Berufsfelder, zum Beispiel: 1. Elektriker für die Fertigung mit entsprechender Ausbildung. 2. Informationstechniker für die IT mit Studium der Informatik. 3. Gleisbauingenieur mit Studium Maschinenbau, Mechatronik. Um drei Personas zu erarbeiten, bilden sich drei Gruppen mit maximal vier Teilnehmern. Für eine gute Mischung sollten unterschiedliche Bereiche und Betriebszugehörigkeiten vertreten sein. So ist zum Beispiel der Werkstudent zusammen mit dem Abteilungsleiter und der Doktorand für Informationstechnologie mit einem Spezialisten für Gleisbau in einer Gruppe.

Fortsetzung in PI20/19 (17.05.2019)

Susanne Nickel ist Expertin für Change 4.0 und innovatives Leadership. Die digitale Transformation ist eine Menschentransformation und es ist Aufgabe der Führungskräfte, den Spagat zwischen stabil und agil zu meistern. Genau hier setzt Susanne Nickel an. Als Change Expertin arbeitet sie mit innovativen und co-creativen Methoden wie Lego® Serious Play®, Design Thinking, Canvas und vielen mehr. Darüber hinaus ist sie Rechtsanwältin, Wirtschaftsmediatorin, Business Coach und Management-Beraterin. Sie leitete bei Haufe im Consulting das HR Management und bei Kienbaum den Bereich Management Development. Viele Jahre war sie als Mediatorin und Rechtsexpertin im Fernsehen zu sehen und bekannt dafür, komplexe Sachverhalte einfach zu erklären. Als Rednerin gewann sie 2016 bei der GSA University den Preis für die beste Keynote. www.susannenickel.com