Arbeiten im digitalen Zeitalter (Teil 1/2)

Read Offline:

Trend der Arbeitszeit

Die Arbeitsweisen, die noch vor einem Jahrzehnt als Trend der Avantgardisten eingestuft wurden, sind mittlerweile standardisiert und oftmals Normalität.

Heute sind es nicht mehr nur die Selbstständigen, die völlig unabhängig im Homeoffice oder im Café um die Ecke ihren täglichen Arbeitsplatz aufsuchen. Mittlerweile haben viele Arbeitgeber den Trend der Zeit erkannt und wissen um die Notwendigkeit, ihren Mitarbeitern Freiheitsgrade in der Gestaltung der Arbeitsmodelle zu gewähren.

Die Digitalisierung hat bereits in großen Zügen unsere Arbeitswelt geprägt und teilweise auch fest im Griff. Begünstigt durch veränderte Kommunikations- und auch Informationsstrukturen sind neue Arbeitsformen und Produktionskonzepte entstanden, die mit den klassischen Modellen der hierarchischen Unternehmensorganisation nicht mehr viel gemeinsam haben. Mitarbeiter schließen sich zusammen, engagieren sich in Communities, setzen auf Transparenz sowie Beteiligung und kooperieren in unterschiedlichsten Netzwerken.

Unternehmen sollten diesen neuen, demokratischen Strukturen offen gegenüberstehen, um bei Arbeitnehmern zu punkten und auch, um dem anhaltenden Fach- und Führungskräftemangel entgegen zu wirken. Außerdem können Mitarbeiter durch ihre Medienpräsenz verstärkt als Markenbotschafter ihrer Arbeitgeber agieren.

Selbstbestimmtes und flexibles Arbeiten

Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern mehr Selbstbestimmung und Flexibilität zugestehen, wenn sie mit diesen erfolgreich sein wollen und ein positives Employer Branding anstreben. Eigenverantwortliches und zielorientiertes Arbeiten löst das Arbeiten mit Stechuhr und Kernarbeitszeiten nach und nach ab. Neue Technologien ermöglichen es, dass die Mitarbeiter arbeiten können wann und wo sie wollen. Durch entsprechende neue Arbeitsmodelle lassen sich familiäre, private und berufliche Belange wesentlich besser miteinander vereinbaren. Vor allem bei jungen Unternehmen sowie Start-ups sind flache Hierarchien und offene Unternehmenskulturen vermehrt anzutreffen. Der Trend zu demokratischem und freiem Arbeiten kann auch die sogenannten ‚Hidden Champions‘ unter den Arbeitgebern auf der Suche nach geeigneten Kandidaten unterstützen.

Der Zukunftsforscher Matthias Horx hat es bereits 2015 in seinem Buch „Megatrends und Chancen“ umschrieben: „Man wird nicht mehr wie im klassischen Modell industrieller Arbeit tätig sein, sondern arhythmische Formen von zeitlicher Investition in Erwerbsarbeit erleben. In mehreren Phasen und Kaskaden wird eine Auflösung klassischer zeitlicher Investitionen in Arbeit stattfinden.“

Überreizung der Sinne

Eines der damit einhergehenden Probleme ist es, dass wir einer medialen Überreizung ausgesetzt sind, die unsere Sinne durch Lärm und auch -teilweise schlechten- Einflüssen täuscht und prägt. Der einhergehende Trend der Arbeit in virtuellen Teams beziehungsweise die mobile Arbeitswelt haben auch ihre Schattenseiten. Mitarbeiter sind in einem Dauermodus via Telefon, Email oder Sozialen Netzwerken erreichbar und auch stets auf aktive Reaktion und Aktivitäten konditioniert. Hier müssen Arbeitgeber Verantwortung übernehmen und die Mitarbeiter an Ruhe- und Erholungsphasen erinnern und an deren Vernunft appellieren.

Fortsetzung in PI 38/17 (22.09.2017)

Autor:

Andreas Wartenberg ist seit knapp 25 Jahren als Personalberater tätig und besetzt Management-Positionen in der Technologiebranche sowie in weiteren Branchen. Bevor Andreas Wartenberg 2008 als Geschäftsführer zur Hager Unternehmensberatung kam, hat er nationale und internationale Teams aufgebaut und geleitet. Er verfügt über ein breites Erfahrungsspektrum im Bereich strategischer Entwicklung und Positionierung von Personalberatungen. Darüber hinaus ist er einer der angesehensten Berater rund um das Thema Digitalisierung in Unternehmen. Seit Anfang 2015 ist die Hager Unternehmensberatung Partner von Horton International, einem der internationalen Marktführer im Executive Search Bereich. Andreas Wartenberg hat die Position des Chairman of the Board der Horton Group International inne.